Unsere Schule hat eine lange Geschichte

Weder Goethe noch Einstein und nicht einmal Bill Gates haben unsere Kuppinger Schule besucht und wahrscheinlich auch nie von ihr gehört. Trotzdem hat unsere Schule in historischer Sicht etwas ganz Besonderes zu bieten: Sie ist eine der ganz alten Schulen in Baden-Württemberg und sogar in Deutschland. Bereits im Jahre 1559 wird Johann Werner als erster Schulmeister in Kuppingen urkundlich erwähnt.

Um dieses frühe Datum richtig verstehen zu können, folgen hier einige geschichtliche Angaben.

1525: Der Reformator Martin Luther verschickt sein "Sendschreiben an die Ratsherren aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen". 1548: Einführung der Schulpflicht in Altwürttemberg

1559: Herzog Christoph erlässt die "Große Kirchen und Schulordnung"

Ab 1600: Die Schulpflicht wird zunehmend und vor allem in den protestantischen Ländern gesetzlich geregelt.

1717: Schulpflicht in Preußen (Da lag das 150jährige Jubiläum der Kuppinger Schule schon acht Jahre zurück!)
 

Und wie hängt das alles zusammen?
Vor der Reformation gab es nur in den Städten "lateinische Schulen", in denen die wenigen künftigen Studenten Lesen, Schreiben und die Anfänge der lateinischen Sprache lernten. Die ganz große Mehrheit der Bevölkerung konnte weder lesen noch schreiben und brauchte dies auch nicht.
Dort, wo die Landesherren sich für das neue lutherische Bekenntnis entschieden hatte, reichte dies aber nicht mehr aus. Zur schnellen Einführung der Reformation mussten die von Luther ins Deutsche übersetzte Bibel, der Katechismus und die neuen Kirchenlieder verbreitet werden. Das aber setzte voraus, dass wenigstens ein Teil der Bevölkerung lesen konnten. Vor diesem Hintergrund ist die Einführung von Schulpflicht und "deutschen Schulen" auch für Kuppingen zu sehen. Der Unterricht sah entsprechend aus. Lehrfächer waren Lesen, Singen und "Memorieren", womit das Auswendiglernen von kirchlichen Texten und Liedern gemeint war. Der Unterricht fand nur im Winterhalbjahr statt, weil die Kinder im Sommer in der Landwirtschaft helfen mussten. Erst später kamen als neue Unterrichtsfächer Schreiben und noch später Rechnen dazu, die Mädchen konnten auch die Schule besuchen und im Sommerhalbjahr wurde eine verkürzte "Sommerschule angeboten. Lehrer wie heute gab es noch nicht. Fast überall wurde die Schule vom Meßner (Kirchendiener) als "Nebenjob" gehalten. Eine Bezahlung gab es nur für den Meßnerdienst (Kirche reinigen, Kirchturmuhr aufziehen und ölen usw.) und zwar in Form von "Naturalien". Damit ist gemeint, dass der Meßner-Lehrer kostenlos Getreide und Brennholz erhielt und ihm auch ein Acker und eine Wiese der Gemeinde für seine eigenen kleine Landwirtschaft überlassen wurden. Ein wenig Geld erhielt er nur, in dem er von den Eltern das geringe Schulgeld selbst einkassierte. Die ersten Schulmeister waren meist bitter arm, manche mussten nebenher noch ein Handwerk ausüben oder sogar betteln gehen. Für die Mitwirkung der Schule an Hochzeiten und Beerdigungen erhielt er aber ein Brot oder eine "Morgensuppe".

Das Besondere an unserer Kuppinger Schule ist also ihre lange Tradition. Was sich dann nach der Einrichtung der ersten Schule ereignete, spielte sich so oder sehr ähnlich überall in den evangelischen Gebieten ab:

Der Kampf der Schulmeister um
- eine angemessene Bezahlung und Altersversorgung
- die Befreiung von den Meßnerpflichten und damit die Anerkennung als eigener Beruf
- eine staatliche an Stelle der kirchlichen Schulaufsicht (der Pfarrer war der "Chef" des Lehrers)
- die Durchsetzung der Schulpflicht, die viele Eltern nicht sehr ernst nahmen.

Die letzten dieser Missstände würden mancherorts erst im letzten Jahrhundert abgeschafft!

Und in Kuppingen wie fast überall ist die Geschichte der Lehrer eng verbunden mit endlosen Streitigkeiten mit Eltern, Pfarrer und Gemeinde. Immer wieder wird über "Unfleiss und häufiges Wirtshaussitzen" der Lehrer geklagt und umgekehrt klagen die Lehrer über zuviele Pflichten, geringe Bezahlung, ungezogene Kinder und über Eltern, die ihre Kinder am Schulgang hindern.

Wie gut, dass das heute alles anders ist!

Zur Geschichte von Kuppingen informiert die offizielle Seite der Stadt Herrenberg.

Und außerdem sehr liebevoll und sachkundig ein Kuppinger "Insider".